#88GEGENrechts! was bisher geschah…

Chronologie des Terrors und des Widerstands

Oktober 2013

Insgesamt neun Stolpersteine, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern, werden von unbekannten Tätern mit Teer beschmiert. Das Personenkomitee spricht von Schändung und zeigt die unbekannten Täter an.

Auf Wänden, Postkästen und Ticketautomaten in der gesamten Stadt erscheint die eindeutige Losung „NS statt US“ bzw. „NS statt Davidstern“ oder die Kennung „Fourteen Words“, die auf den bekannten US-amerikanischen Rassisten und Rechtsextremisten David Eden Lane zurückgeht.

Die Polizei nimmt Ende Oktober einen 20-jährigen Täter fest. Dieser sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Polizei glaubt nicht an eine Einzeltäter-Theorie. Die Schmieraktionen gehen weiter. Weitere Stolpersteine werden mit schwarzer Farbe übersprüht.

November 2013

Ende November nimmt die Polizei einen zweiten Tatverdächtigen fest. Der 21-Jährige gibt insgesamt mehr als 130 rechtsextreme Schmierereien und Sachbeschädigungen zu – darunter auch an den Stolpersteinen.

Die jüdische Synagoge in der Lasserstraße wird in der Nacht vom 8. auf den 9. November Ziel eines Vandalenakts. Exakt am 75. Jahrestag der Novemberpogrome werden die Gegensprechanlage und die Türglocke mit schwarzem Lack beschädigt sowie Türschlösser verklebt.

Als Reaktion auf die Nazi-Schmierereien gründet sich die überparteiliche „Plattform gegen Rechts“. Sie geht auf eine Initiative der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) zurück. 30 Institutionen wollen das „Bedürfnis nach Widerstand in der Zivilgesellschaft“ fördern.

Bei einer Demo, organisiert von der „Plattform gegen Rechts“ marschieren 500 Menschen vom antifaschistischen Mahnmal beim Salzburger Hauptbahnhof in die Innenstadt. Die Schlusskundgebung findet auf dem Kapitelplatz statt.

Dezember 2013

Das Mahnmal für Opfer des Nationalsozialismus auf dem Kommunalfriedhof wird mit dem Namen des 1930 verstorbenen SA-Sturmführers Horst Wessel mit schwarzem Lackspray übersprüht.

Jänner 2014

Täter besprühen den Davidsstern auf dem Zaun vor der Salzburger Synagoge mit gelber Farbe. Im Nationalsozialismus war der gelbe Judenstern ein Zeichen der Diskriminierung und Ausgrenzung. Mit der Kennzeichnung der jüdischen Bevölkerung wird der systematische Mord an sechs Millionen Menschen eingeleitet. Ein paar Tage vor dem Anschlag auf die Synagoge wird auch das Mahnmal für Opfer des Nationalsozialismus auf dem Kommunalfriedhof mit dem Namen des deutschen Rechtsextremisten Horst Mahler beschmiert.

Februar 2014

Rund 120 Personen folgen dem Aufruf des Personenkomitees Stolpersteine zu einer Mahnwache vor der Salzburger Synagoge. Marko Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg und KZ-Überlebender, erzählt aus seinem Leben.

Mai 2014

Das Winter-Notquartier „Arche Süd“ der Caritas für Bettler wird mit der Aufschrift „KZ“ beschmiert. Auf Facebook tauchen Drohungen mit rechtsextremen Hintergrund gegenüber bettelnden Menschen auf.

Unbekannte beschädigen das Euthanasie-Denkmal im Kurpark an der Rainerstraße. Sie schlagen das Glas des 1991aufgestellten Kunstwerks ein. Das Mahnmal erinnert an die Opfer des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten. Mehr als 300 geistig beeinträchtigte Menschen allein aus der Stadt Salzburg wurden im Rahmen der NS-Tötungsaktion in Schloss Hartheim in Oberösterreich umgebracht, weil sie als „minderwertig“ galten. Das Amt für Verfassungsschutz vermutet, dass die Täter aus der rechten Szene stammen. Die Stadt Salzburg schreibt daraufhin für Hinweise zur Beschädigung des Euthanasie-Mahnmals 6000 Euro Belohnung aus.

November 2014

Das Euthanasie-Mahnmal im Kurpark wird nach der Wiedererrichtung neu eingeweiht. In der neu gestalteten Bodenplatte befinden sich eingelassen die Namen der bisher 325 bekannten Opfer aus der Stadt Salzburg.

Das steinerne Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Salzburger Kommunalfriedhof wird erneut zum Ziel einer Schmieraktion. Bislang unbekannte Täter haben den Schriftzug „Dem Gedenken der Opfer für Freiheit und Menschenwürde“ mit schwarzer Farbe übermalt. Der Sachschaden beträgt etwa 1500 Euro. Polizei und Verfassungsschutz ermitteln.

Dezember 2014

Das Parteibüro der Grünen in der Glockengasse und das Parteihaus der SPÖ in der Wartelsteinstraße werden von unbekannten Tätern mit rechtsextremen Parolen beschmiert, die Polizei setzt eine Prämie von 200 Euro für Hinweise aus. Weitere Stolpersteine werden mit schwarzem Lack besprüht.

Das Personenkomitee Stolpersteine, Ingeborg Haller, Gert Kerschbaumer und Thomas Randisek erhalten den „Salzburgpreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg“.

Jänner 2015

Die beiden 2013 festgenommenen Täter müssen sich in einem Prozess vor dem Landesgericht Salzburg wegen „nationalsozialistisch motivierter Sachbeschädigung“ nach Paragraf 3f des Verbotsgesetzes verantworten.

 

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