E-Sports – wenn Videospiele zum Wettkampf werden

und riesige Fußballstadien gefüllt sind mit tausenden Menschen, die zuschauen und mitfiebern!

von Paul Laireiter

Computer spielen und dabei Geld verdienen?

Das klingt für die Meisten ziemlich dubios, doch in vielen Ländern ist dies Realität. Videospiele gewinnen zunehmend an Popularität und immer mehr junge Menschen tauchen in die Welt der Videospiele ein. Viele Spiele haben einen Mehrspielermodus. Die Spiele werden dabei online ausgetragen, es kann mit anderen Spielern gemeinsam oder gegeneinander gespielt werden. Durch den Wettkampf hat sich eine sogenannte „Pro-Gamer“-Szene entwickelt. Pro-Gamer sind professionelle Spieler, die ihr Geld mit dem Spielen von Videospielen verdienen, ähnlich wie Profi-Fußballer mit dem Unterschied,  dass das Fußballfeld der Computer oder die Konsole ist. Das Spielen wird zu ihrem Beruf.  Computerspiele können alleine oder zusammen in einer Mannschaft ausgetragen werden. Vor allem die Mannschaftsspiele sind sehr beliebt, zu den beliebtesten gehören „League of Legends“ (kurz: LoL), „Dota 2“, „Counterstrike: Global Offensive“ (kurz: CS:GO) und „Starcraft II“, um nur ein paar zu nennen.

E – Sport wird nur in manchen Ländern als offizielle Sportart angesehen (z.B.: USA, China, Korea, Brasilien, Frankreich), doch mit der steigenden Popularität sind auch andere Länder daran interessiert eine Profi-Liga einzurichten.  In der ESL (electronic Sports League) werden nationale- und internationale Wettkämpfe um sehr hohe Preisgelder ausgetragen. 2015 gewann eine Südkoreanische Mannschaft namens „SK Telecom T1“ im Finale der World-Championships  von League of Legends ein Preisgeld von über 2 Millionen US-Dollar. Die Wettkämpfe werden oft in riesigen Hallen oder Arenen ausgetragen, wo sich tausende begeisterte Fans zusammenfinden und ihre Mannschaft, die auf einer Bühne hinter ihren Rechnern sitzt, anfeuern. Neben dem Live-Spektakel gibt es auch zahlreiche Streaming-Plattformen, die das Spiel im Internet übertragen. Das Spiel wird von Kommentatoren begleitet, die begeistert mitfiebern. 

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 Die wohl bekannteste Plattform zur Übertragung von Spielen ist „twitch.tv“. Hier werden die beliebtesten Spiele von unterschiedlichsten „Streamern“ übertragen. Streamer sind jene Menschen, die ihre Spielaktivitäten im Internet übertragen. Streamer haben meist ein kleines Fenster in ihrer Übertragung eingeblendet, wo man die Reaktionen und das Gesicht via Webcam sehen kann. Der Streamer interagiert mit den Zuschauern, denn diese können ihre Meinungen in einem Live-Chat äußern und Fragen an den Streamer stellen. Pro-Gamer streamen ihre Trainingseinheiten und werden dabei von tausenden Fans beobachtet. Die Zuseher können den Streamer unterstützen indem sie den Kanal abonnieren oder eine sogenannte „Donation“ abgeben. Donations sind Spenden für den Streamer. Es können beliebige Beträge überwiesen werden, die im Cent-Bereich starten aber bis in den vierstelligen Bereich gehen können. Die Zuseher können so ihre Unterstützung zeigen und eine Nachricht hinterlassen, die dann im Stream-Fenster erscheint und für alle sichtbar wird. Neben professionellen Spielern übertragen auch zahlreiche Hobbyspieler ihre Tätigkeiten auf den Streaming – Plattformen. Diese werden häufig nicht wegen ihres spielerischen Könnens bejubelt, sondern aufgrund ihrer animierenden und lustigen Art, die mehr der Unterhaltung dient. In Südkorea sind Computerspiele bereits so tief in der Kultur verankert, dass bereits drei öffentliche Fernsehsender über die neusten News und Events hinsichtlich Videospiele berichten und wichtige Turniere live übertragen. Diese Sender haben eine regelmäßige Zuschaueranzahl von etwa 6,5 Millionen.

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Neben Turniergeldern, Übertragungen, Spenden und Abonnenten, besteht für Pro-Gamer zusätzlich die Möglichkeit Geld und Produkte von Sponsoren zu erhalten. Das Werben von bekannten Spielern für bestimmte Gaming-Produkte ist für die Hersteller sehr lukrativ, denn die Hobbyspieler wollen dieselben Produkte wie ihre Lieblingsspieler besitzen.

Pro-Gamer und ihre Skills

Pro-Gamer unterscheiden sich von Amateur-Spielern aufgrund ihrer fortgeschrittenen Fähigkeiten oder auch „Skills“. Die Hand-Augen-Koordination, das erhöhte Spielverständnis und die taktische Vorgehensweise in einem Team heben sich von den Leistungen der Hobbyspieler stark ab. Durch spezielle Trainingsprogramme wie etwa ein Trainingslager in Südkorea, der Computerspielmetropole schlechthin,  können die Profis ihre Fähigkeiten verbessern. Pros sind auf der ganzen Welt verteilt und daher ist es bei professionellen Teams nicht unüblich, dass sie gemeinsam in einem Haus wohnen, damit die Teamstärke gefördert werden kann und Trainingseinheiten schneller und einfacher in der Gemeinschaft erfolgen können. Außerdem wird die Kommunikation erleichtert und Analysen von vergangenen Spielen können rasch vor Ort erfolgen. Solche Teams werden meist von einem Trainer oder Coach betreut, der Anweisungen gibt, auf Fehler aufmerksam macht und für das Management zuständig ist. Er plant kommende Events und ist ein wichtiger Bestandteil des Teams.

Karriere als Gamer – realistisch?

Viele junge Menschen träumen davon eine professionelle Karriere in der Gaming-Szene einzuschlagen, doch nur die Wenigsten erreichen einen außergewöhnlichen Level, um damit auch Geld zu verdienen. Außerdem halten sich Profis meist nur wenige Jahre an der Spitze, da sich mit steigendem Alter die Reaktionszeit verschlechtert. Immer jüngere und bessere Spieler verdrängen die Elite und bereichern die Szene. Da für das Profi-Level viel Training erforderlich ist und dementsprechend viel Zeit investiert werden muss, gerät die Ausbildung für viele in den Hintergrund. Viele junge Menschen widmen sich dem E-Sport und schmeißen die Schule, um mehr Zeit in ihr Training zu investieren. Sollte man den Sprung zum Profi tatsächlich schaffen und sich die Karriere trotzdem irgendwann dem Ende neigt, dann drohen meist Arbeitslosigkeit und finanzielle Schwierigkeiten. Nur die Wenigsten Ex-Profis können in der Szene bleiben und dort einen Job finden. Ehemalige Pro-Gamer arbeiten häufig als Kommentatoren bei größeren Events oder sind als Experten vor Ort unterwegs. Manche sind bei der Entwicklung von neuen Spielen beteiligt und können so ihren Unterhalt finanzieren. 

Videospiele können süchtig machen. Immer besser werdende Grafik und die detaillierte Gestaltung der virtuellen Umgebung verleitet zahlreiche Menschen dazu, aus der harten und ungerechten Realität zu flüchten und in eine schöne künstliche Welt einzutauchen, in der man selbst gestalten kann und als Held große Taten vollbringen kann. Im Spiel „World of Warcraft“ ist es beispielsweise erforderlich viel Zeit zu investieren, um seinen Charakter oder Helden besser auszustatten und weiter zu kommen. Je mehr Zeit man im Spiel verbringt, desto angesehener ist man in dieser virtuellen Welt, weil man Herausforderungen meistert, die andere Spieler nicht erreichen können. Die Spieler erhalten für ihre Bemühungen eine Belohnung in Form von Levelaufstieg oder Gegenständen, mit denen der Held immer mächtiger wird. Ähnlich wie bei anderen Süchten entsteht deshalb bei der Computerspielabhängigkeit ein zwanghaftes Verhalten, ein Zwang ständig spielen zu müssen und präsent in der virtuellen Welt zu sein. Eine Sucht zeigt sich meist durch einen Kontrollverlust. Die Betroffenen können ihre Spielzeit nicht mehr begrenzen und gehen keinen anderen Tätigkeiten mehr nach. In Südkorea wird von Todesfällen berichtet, wo Spiele-Junkies vor dem Computer verhungern, weil sie so vertieft in ihre Tätigkeiten waren. In China starb ein Mann an Erschöpfung, nachdem er 15 Tage lang online gespielt hat. Ein weiterer Chinese starb nach einer durchgehenden Spielzeit von 3 Tagen. Um solche Ereignisse zu vermeiden hat man in China ein System entwickelt, welches die Spieler unter 18 Jahren dazu zwingt nach drei Stunden Spielzeit aufzuhören, da sie nachdem Erreichen der erlaubten Spielzeit keinen Zugriff mehr erhalten. In China werden Benutzer aufgefordert ihre Ausweisnummer einzugeben bevor sie spielen können. Somit hat die Regierung die Möglichkeit Jugendliche vor den Bildschirmen zu identifizieren und zu kontrollieren. Es gibt bereits zahlreiche Kliniken, in denen Computerspielsüchtige behandelt werden. Durch Verhaltenstherapie soll der Bezug zur Realität wieder hergestellt werden und die Sucht bezwungen werden.

Generell lässt sich aber sagen, dass es noch wenige Erkenntnisse zum Thema Computerspielsucht gibt. Dennoch steigt die Zahl an erkrankten Personen, die keine Kontrolle über ihr Spielverhalten haben. Mit fortschreitender Technik gestalten sich Spiele immer realistischer und gewinnen noch mehr Popularität. Computerspiele sind Teil der Kultur geworden, die Community wird ständig größer und die Möglichkeiten einer beruflichen Karriere in der Gaming-Szene steigen. Deshalb ist es umso wichtiger über die Gefahren, die damit verbunden sind, zu kennen und den richtigen Umgang mit neuen Medien zu fördern.

 

Pokémon GO – Hype oder Überwachung?

Seit Anfang Juli hat Nintendo, der Computerspiele – Konzern aus Kyoto, eine Smartphone App namens „Pokémon Go“ auf den Markt gebracht, welche die Handy-Spiel-Welt revolutioniert hat. Obwohl die App vorerst offiziell nur in den USA, Neuseeland und Australien freigegeben wurde, hat sie bereits mehr Downloads als  die Dating – App „Tinder“, die bislang als eine der erfolgreichsten Apps galt.

Pokémon GO

Pokémon Go kombiniert Virtualität und Realität. Die Spieler bewegen sich in der echten Welt und sehen sich als Pokétrainer gleichzeitig auf einer auf dem Smartphone angezeigten Karte, die sich mittels GPS-Erkennung aktualisiert. Ähnlich wie beim Geocaching muss man Orte aufsuchen, um Gegenstände einzusammeln oder sich in einer Arena gegen andere Trainer zu duellieren. Während der Spieler unterwegs ist erscheinen zufällig Pokémons auf der Karte, die man mit der Smartphone-Kamera suchen muss und anschließend mit einem Pokéball fängt. Manche Orte versprechen seltene Arten, die nur dort vorkommen. Die Spieler müssen also ständig in Bewegung bleiben, um im Spiel weiter zu kommen. So werden auch die faulsten Stubenhocker dazu animiert ihr Nest zu verlassen und frische Luft zu schnappen. Andererseits erfordert die App den Ortungsdienst zu aktivieren, theoretisch könnte man also jederzeit feststellen, wo man sich aufhält. Es kursierte das Gerücht, dass Nintendo den vollen Zugriff auf die Google-Konten um spielen zu können. Somit könnten sämtliche E-Mails und Daten eingesehen werden. Der Konzern versicherte aber, dass es sich dabei lediglich um einen Fehler handelte, der nur iOS-Benutzer betroffen hat, und dieser bereits wieder behoben wurde. Fest steht allerdings, dass Pokémon Go die Smartphone-Spielewelt revolutioniert hat und ein voller Erfolg ist, denn der Börsenwert des Entwicklers ist bereits um 10 Milliarden Euro angestiegen.

 

Quellen:

 

Neidhart, C. (2016). Nintendo ist wieder einmal auferstanden. Zugriff am 13.07.16. Verfügbar unter http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nintendo-warum-pokemon-go-die-rettung-fuer-nintendo-ist-1.3074666

 

Sackmann, C. (2016). Pokémon Go – Warum dieses Smartphone-Spiel beliebter ist als Tinder, Twitter und WhatsApp. Zugriff am 13.07.16. Verfügbar unter http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/pokemon-go-warum-dieses-smartphone-spiel-beliebter-ist-als-tinder-twitter-und-whatsapp_H1319635023_296395/

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/E-Sport

https://de.wikipedia.org/wiki/Electronic_Sports_League

https://de.wikipedia.org/wiki/League_of_Legends_World_Championship

Rehbein, F., Kleimann,  M. & Mößle, T. (2009). Computerspielabhängigkeit im Kindes und Jugendalter Empirische Befunde zu Ursachen, Diagnostik und Komorbiditäten unter besonderer Berücksichtigung spielimmanenter Abhängigkeitsmerkmale. Zugriff am 12.07.16. Verfügbar unter https://www.schule.at/fileadmin/DAM/Gegenstandsportale/Gender_und_Bildung/Dateien/fb108.pdf

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